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  • Publicado : 11 de setembro de 2012
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Brasiliens neue Frauen
Autor: Cynthia Gorney  —  Bilder: John Stanmeyer

«José Alberto, Murilo, Geraldo, Angela, Paulo, Edwiges, Vicente, Rita, Lucia, Mar­celino, Teresinha.» Das waren doch elf, oder? Nicht zu vergessen die Totgeburt, die drei Fehl­geburten und das Baby, das nicht mal einen Tag lebte. Dona Maria Ribeiro de Carvalho, eine 87-jährige Brasilianerin mit tiefer, heiserer Stimme,hat mir gerade ihre Schwangerschaften aufgezählt. Sie mustert José Alberto, ihren Ältesten, der zu Besuch ist und auf dem Sofa eine Zigarette raucht. «Bei den vielen Kindern, die ich bekommen habe», sagt sie, und nur ein sanfter Vorwurf schwingt in ihrer Stimme mit, «müsste ich mehr als hundert Enkel haben.»
José Alberto trägt eine Trainingshose, er kommt vom Angeln. Das Wohnzimmer seiner Mutter imsüdöstlichen São Vicente de Minas ist gerade groß genug für drei Sessel, einen Fern­seher, gerahmte Bilder von Jesus und Maria sowie ein schwarzes Kunstledersofa, auf dem er sich zurücklehnt: Professor Carvalho, emeritier­ter Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universidade Federal de Minas Gerais – und einer der bedeutendsten brasilia­nischen Demografen. Er legt die Beine hochund lächelt. Natürlich kennt er die Zahl der Enkel. 26. Schließlich hat er jene bemerkenswerte, lan­desweite Entwicklung erforscht, die sich an sei­ner Familie ablesen lässt, als sei sie ein Minia­turmodell der Nation: In nur zwei Generationen stürzte die Fertilitätsrate der Carvalhos auf 2,36 Kinder pro Frau und steuert jetzt auf den brasi­lianischen Durchschnitt von 1,9 zu.
Im größtensüdamerikanischen Staat leben 191 Millionen Menschen, die römisch-katholi­sche Kirche hat das Sagen, Abtreibungen sind bis auf wenige Ausnahmen illegal, die Regierung hat Geburtenkontrolle nie propagiert. Dennoch ist die Familiengröße in fünf Jahrzehnten so stark und stetig geschrumpft, dass die Kurve dieser Entwicklung einer Rutschbahn gleicht.

Und nicht nur reiche, berufstätige Brasiliane­rinnenbekommen weniger Kinder. Die Wissen­schaftler am demografischen Institut in Belo Horizonte, das Carvalho mitbegründet hat, registrierten Geburtenrückgänge in allen Schichten und Regionen. Auch ich habe mit vielen brasilianischen Frauen gesprochen, und fast alle sagten, eine moderne Familie solle nur zwei Kinder haben, am besten ein casal, ein Paar: einen Jungen und ein Mädchen. Sehr wenig spräche fürdrei. Und auch ein Kind könne schon genug sein. In einem Arbeiterviertel am Rande von Belo Horizonte beobachtete eine ledige 18-Jährige eines Abends ihren kleinen Sohn, der seinen Spielzeuglastwagen mit Geheul auf uns zufahren ließ: Sie liebe ihn sehr, sagte sie, aber sie wolle keine weiteren Kinder. Dabei benutzte sie einen Ausdruck, den ich schon oft von Brasilianerinnen gehört hatte: «A fábricaestá fechada» – die Fabrik ist geschlossen.
Die Fertilitätsrate ist nicht nur in Brasilien so drastisch gesunken. Fast die Hälfte der Mensch­heit lebt in Ländern, in denen die Rate unter dem sogenannten Bestandserhaltungsniveau liegt: der Kinderzahl, mit der ein Paar gerade mal sich selbst ersetzt – gut zwei pro Familie. Doch die Entwicklung in Brasilien ist ein welt­weit faszinierendes Phänomen –und besonders gut nachvollziehbar: Die Bevölkerungsdaten dieses riesigen Landes werden traditionell sehr gründlich erfasst; zuverlässiger und kontinuier­licher als in anderen Staaten. «Und was die Eng­länder in 120 Jahren geschafft haben, hat hier nur 40 gebraucht», sagt Carvalho. «Es hat sich etwas Entscheidendes getan.» Er spielt damit auf die weibliche Bevölkerung an, die in den sech­zigerJahren aktiv wurde. Denn es gibt zwar etliche Gründe dafür, dass Brasiliens Fertilitäts­rate so tief und rasch gesunken ist – doch ent­scheidend waren die starken, eigensinnigen Frauen: Sie warteten nicht auf die Hilfe der Re­gierung, sie hörten nicht auf das, was die Bischöfe predigten. Sie begannen einfach, die „Fabriken“ auf jede erdenkliche Art zu schließen.

Dass eine Frau mit 35 schon die...
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